Im Landkartenhaus griff ich mir ein Sonderangebot heraus, eine Karte der alten japanischen Kaiserstadt Kyoto im Maßstab 1:12500. Konkret hatte ich keine Verwendung dafür, aber immerhin, Kyoto oder die jungen Liebenden in der Kaiserstadt von Yasunari Kawabata (1899–1972) ist ein großer Roman, und die Stadt, in der von 794 bis 1869 der Kaiser residierte, ist eine Legende. Mehr lesen
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Basra 3. Teil
Von einem Taxi ließ ich mich an die Grenze zu Khorramshar hin bringen. Ich sagte: Border to Iran. Yes, yes, sagte der Fahrer bereitwillig, wie wenn er das alle Tage machte.
Die Straße, die aus Basra hinaus auf Khorramshar zuführt, ist breit wie eine Rollbahn und schön geteert. Der Taxifahrer zögerte, mich ganz hinzufahren an die Grenze, einige hundert Meter vorher blieb er stehn. Ich schöpfte Verdacht und bat ihn zu warten. Und schritt mutig auf die Grenze zu. Mein Marsch endete vor haushohen Rollen Stacheldraht. Ein Zöllner kam belustigt auf mich zu und sagte: No Iran, closed, all years closed. Ich fragte, die Häuser dort hinten, ist das Khorramshar? Ja, sagte er, not allowed. Das Ganze war wie auf einer Bühne arrangiert. Vielleicht war ich seit Monaten, seit Jahren(?) der erste Narr, der hier die Grenze überschreiten wollte. Ich fragte den Zöllner, warum das so sei. Er wackelte mit dem Kopf und zog ihn in die Schultern. Wo in Dreiallahs Namen ist denn ein Grenzübergang zum Iran? Border, Passage, Way?
Shatt al Arab, sagte er sich räuspernd, wie wenn er etwas Unanständiges ausgesprochen hätte. SHATT AL ARAB. Wie weit ist das und wo? Er deutete in Richtung Basra und sagte fachmännisch, 25, 30 km, ungefähr. Und streckte mir zum Abschied wie einem alten Freund die Hand hin, und ich zuckte ein bißchen zusammen, weil ich glaubte, er wolle Bakschisch für seine Auskunft. Vielleicht hatte sich dieser nette Blödian seit Jahren nicht mehr mit einem solchen Blödian von Grenzgänger wie mir unterhalten können. Ich ging meine Flugschneise wieder zurück auf Basra und mein Taxi zu, mitten auf einer 50 Meter breiten Straße, niemand sonst zu sehn, kein Fahrzeug, kein nichts, gestiefelt und gespornt, meinen Seesack auf dem Kopf balancierend, wie bei Afrikanerinnen, die vom Wasserholen kommen. Ich lächelte, und durch den blauen Äther hindurch sah ich das Lächeln Harun al Raschids. Zum erstenmal hatte ich erfahren, wo es einen Grenzübergang zum Iran gab. Fast hätte ich zu tänzeln angefangen.
Shatt al Arab, sagte ich zum Taxifahrer, PLEASE SHATT AL ARAB. Shatt al Arab, wiederholte er. Nun klang es noch unanständiger als aus dem Mund des Grenzers. NOT POSSIBLE. WATER. Er verdrehte die Augen, er wollte mich an der nächsten Straßenecke loswerden. DIRECTION SHATT AL ARAB PLEASE, so far as possible. Er fuhr mich mitten in die Stadt hinein oder auch in ein nördlich gelegenes Stadtviertel, was weiß ich. Auf halber Fahrt hatte er noch einen Polizisten aufgelesen, der mit mir das Taxi verließ, und ich schöpfte eine kleine Hoffnung, er wisse, wie man zur Grenze käme. Wir liefen planlos durch einige Straßen, überquerten den Tigris in einer Fähre. Immer bezahlte nur ich. Entweder hatten Polizisten in Basra freie Fahrt, oder er ließ mich für sich mitbezahlen. Wir kamen an eine Bude, ein auf einer Seite offenes Häuschen, das zum Warten geeignet schien, auch ein Schild gab’s in der Nähe. Liebenswürdig umständlich verabschiedete sich der Polizist.
Fortsetzung folgt