Der gute Mensch

„Der gute Mensch,“ schrieb Friedrich Schiller,
„denkt an sich selbst zuletzt.“
Doch plötzlich wurde Schiller stiller:
„Ein Komma braucht’s!“ Und war entsetzt:
„ …denkt an sich, Komma, selbst zuletzt!“

Zeichnung: Rolf Hannes

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Vielkopf

futura99 bedenkt die Denker und Denkfabriken jeglicher Ausrichtung.

Offenbar ist seit Menschengedenken die Summe allen Glücks und Leids, aller Verruchtheit und aller Güte gleich. So sehr unsre Bibliotheken angefüllt werden mit Lösungen aller Probleme, so sehr nimmt in der Summe nicht auch nur eins der Probleme ab. Vielleicht hält nur so die Welt zusammen, aus Gründen des biologischen, psychischen und materiellen Gleichgewichts und bräche, wenn es anders wäre, auseinander.

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Bücher und Bilder

Der Umgang mit Büchern war mir von jeh vertrauter als der mit Bildern. Der Zweisamkeit mit einem schönen Buch eignet etwas sehr Intimes, beinahe Erotisches. Der Gestus des in der Handhaltens ist ein ganz andrer als die Betrachtung eines Bilds. Bei der Betrachtung eines Bilds gibt es immer eine körperliche Distanz.

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Der Ginkgobaum

Ein Mann namens Goethe in Weimar
mit Frau von Stein einmal uneins war.
Sie sagte: Wieso
bringt denn Ihr Ginkgo
dem westöstlichen Diwan Früchte dar?

Blatt des Ginkgo, der 1813 unter Goethes Anleitung zwischen seinem Garten am Frauenplan und der Anna-Amalia-Bibliothek gepflanzt wurde. Er ist inzwischen zu einem riesigen Baum gewachsen.

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Sturm & Drang

futura99 grüßt die Zurückhaltenden.

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Die Musen

Er besaß 9 Ziegen, und weil sie hübsch und zierlich waren wie die Rehe und klug wie die Gemsen und es 9 Musen gibt, trugen sie deren Namen: Klio, Kalliope, Melpomene, Thalia, Urania, Terpsichore, Erato, Euterpe, Polhymnia. Die erste, weil sie so ein historisches Bärtchen trug, die zweite, weil sie so gerne schnatterte, die dritte, weil sie wie eine Tragödin aussah, die vierte, weil sie die Lustigste war, die fünfte, weil sie häufig zu den Sternen schaute, die sechste, weil sie die anmutigsten Bocksprünge vollführte, die siebte, weil sie die Augen so liebestoll verdrehte, die achte, weil sie an Drähten zupfte, als wolle sie ein Instrument spielen, die neunte, weil sie so schön meckerte. Vergessen wollen wir nicht die Frau des Hauses. Der Mann nannte sie scherzhaft Mnemosyne, Mutter der Musen.

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Kaffee

Es war eine Dame in Riehen,*
die ließ ihr’n Kaffee gerne ziehen.
Doch kam er nicht weit,
sie trank ihn beizeit,
allein, ohne allzuviel Mühen.

* Riehen liegt in der Nähe Basels.

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Eßgelüste

futura99 denkt an die, die sich mit dem Essen plagen.

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Tomaten

Wenn ich mein Gemüse nicht auf dem Markt von Bauern kaufe, gehe ich in einen kleineren Lebensmittelladen, er befindet sich bei mir gleich ums Eck. Vor einpaar Tagen hab ich in ihm vor den ausgelegten Tomaten einen kleinen Aufstand inszeniert. Ich fragte einen der herumgehenden Angestellten, ob es keine Kleinen mit dem großen Geschmack mehr gebe. Die haben wir gerade nicht im Angebot, sagte der Verkäufer, aber wir haben jede Menge andere. Er zeigte auf die vielen eingepackten und losen Tomaten. Ich sagte: Die kleinen mit dem großen Geschmack waren zwar klein, aber sie hatten überhaupt keinen Geschmack. Vielleicht nach unreifem Nichts, und innen sahen sie aus wie aus Styropor fabriziert.

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Anglerfreunde

Ein Angler angelt im Sonnenschein
und wünscht sich beim Angeln mal richtiges Schwein.
Da ruckt es und zuckt es mit schwerem Gewicht:
Der Angler sieht es – und glaubt es schier nicht!
Ein Riesen- Getier bei ihm an der Angel!
Ein Wunder – doch leider mit größerem Mangel:
Wenn er seinen Freunden später erzählte,
wie ihn dieser Fang eine Stunde lang quälte,
da würden sie sicher alle nur lachen
und ihre Späße über ihn machen.
Für die wär’ das Ganze nur Anglerlatein!
Da warf unser Angler das Schwein wieder rein.

Zeichnung: Rolf Hannes

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